Asya vertritt eine metaphysische Position dem Universum gegenüber (der „Code“ und seine Rolle in der Erzählung) und eine philosophische Einstellung gegenüber sich selbst und allen Taten, die geschehen. Da ihre metaphysische Haltung durchaus auf Fiktion beruht (dies zugunsten der Geschichtserzählung), befasse ich mich lieber näher mit ihrer Lebensweise im philosophischen Sinne. Ich werde hierbei nicht versuchen, ihre Sichtweise zu rechtfertigen oder zu verteidigen, sondern sie so nahe wie möglich zu erörtern und zu verstehen.
Asya lebt eine Art radikalen Optimismus aus, obwohl diese Beschreibung nicht zu 100 % passt. Vielmehr bejaht sie die Existenz aller Dinge im Universum. Aufgrund der bloßen Existenz gewinnt sie also einen Grund, diese wertzuschätzen / zu bestaunen. Dabei nimmt sie ihren eigenen Körper und ihre eigene Existenz als Maßstab – „Ordinary versus Extraordinary“ –, um die Welt als „wundervoll“ bezeichnen zu können. Dadurch schätzt sie auch die kleinsten oder normalsten Taten der Welt als wunderbare Geschehen ein. Trotz Asyas Affinität, Beleidigungen und Angriffe defensivlos hinzunehmen, geht sie ganz und gar nicht davon aus, dass die Welt perfekt ist. Deshalb setzt sie auch nicht den Liebenswert des Universums daran fest, wie viel „Gutes“ oder „Böses“ existiert: Leid, Verlust, Hass und Hässlichkeit machen für sie die Welt nicht wertlos.
Immer wieder spricht sie in ihren inneren Monologen das Kosmische wie eine Art Wesen oder Körper an. Zum Ende der Erzählung scheint sich bei Asya zunehmend die Erkenntnis abzuzeichnen, dass Dinge keinen kosmischen Wert oder Zweck erfüllen müssen, um Bedeutung zu haben. Das einfache Erleben des Individuums kann schon dafür sorgen, Bedeutung zu kreieren. Asya kann der Welt entgegenkommen und sie lieben, statt ständig zu versuchen, gegen ihre Unvollkommenheit anzukämpfen.
Asya stellt auch keine nihilistischen Positionen dar. Statt anzunehmen, dass das Universum keinen objektiven Sinn hat und so nichts wirklich wertvoll ist, vertritt sie die Meinung, dass das Universum etwas nicht als nützlich oder zweckvoll einstufen muss, damit dieses etwas liebbar ist. Auch pessimistisch ist sie in keiner Weise: Statt das Leid der Welt aufzuzählen und dadurch die Existenz als etwas Negatives abzustempeln, entscheidet sie sich dafür, dass ein schmerzhaftes Fragment nicht das Ganze entwerten sollte. Die Existenz des Negativen macht die Existenz des Ganzen, an dem sie teilhat, also nicht wertlos.